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Ein Zwischenraum des Schöpferischen entsteht aus dem rhythmischen Spiel von Wahrnehmen und Tun. So gestaltet sich mein Werk gleichsam aus der Zukunft heraus und ist kein Bild eines Vergangenen. Ich arbeite in prozesshafter Art, das heißt für mich, ich habe keine feste Vorstellung, gleichsam eine Kopie in meinem Kopf, welche ich dann nur noch eins zu eins umsetze. Ein roher, gebrochener Stein, kann mich inspirieren, so dass ich an einer mich reizenden Stelle mit der Arbeit beginne, ohne zu wissen wie das Werk am Ende ausschaut. Freilich muss ich Vorstellungen, es könnte dies oder jenes werden, im frühen Stadium immer wieder abweisen.
Genauso kann ich eine Idee ( eine Idee ist etwas anderes als eine Vorstellung! ) und dann einen Ideenimpuls haben, der mich zur Verwirklichung aufruft. Ich suche dann das entsprechende Material und beginne mit der Arbeit. Die Anfangsidee erweitert sich im Prozess des Arbeitens und ich lasse mich dann im „Flow“ leiten.
Mir ist bewusst, dass es für jemanden, der diese Art des Arbeitens nicht kennt, schwer ist dies zu verstehen. Auf der anderen Seite hat dies jeder schon erlebt und sich wohl auch bewusst gemacht, wenn genügend Beobachtungsgabe auf sich selbst vorhanden ist.
Mich erfüllt dieses prozesshafte Arbeiten mit viel Freude, mit Enthusiasmus und Kraft. Auf diese Weise entstehen meine Werke und es erfreut mich, wenn die Betrachter meiner Kunstwerke diese so anschauen können, dass sie sie gleichsam innerlich nachschaffen und sie somit zum Leben erwecken. So können die Werke ihre Energie zur Geltung bringen und quasi als „Wesen“ erlebt werden. Eine nicht durch Urteile vorbelastete Wahrnehmung, ein sich einlassen im Sinne von Herzoffenheit ist hierfür natürlich die Voraussetzung..
Die künstliche Intelligenz KI, welche heutzutage enorme Fortschritte macht, kann uns in vielen Bereichen eine Hilfe sein, wenn wir sie bewusst einsetzen, ohne dass sie uns des Menschseins beraubt. Es ist eine kalte Intelligenz, welche auf der Grundlage von Ja/ Nein, von Strom aus/ein beruht. Sie ist mittlerweile so verfeinert, dass sie uns auf raffinierte Weise Leben vorspiegelt. Das Grundprinzip bleibt aber immer das Gleiche. Es gibt kein Dazwischen, kein Abwägen und Zulassen von Paradoxien des sowohl als auch. Das Erleben mit allen Sinnen, Gefühlen, Herzenswärme, Freude ist hier fehl am Platze, dies bleibt nur Illusion. Es kann die Gefahr bestehen, dass durch die künstliche Intelligenz immer mehr Gehirnareale des Menschen brach gelegt werden, auch meßbar durch den IQ und erlebbar durch eine emotionale Verkümmerung.
Um dem eine Balance zu bieten, ist das künstlerische Schaffen und Erleben auf vielen Ebenen notwendiger denn je.
Die andere KI, die künstlerische Intelligenz erweitert unser Menschsein und unser Bewusstsein.
Im Abtasten mit allen Sinnen, mit Mut Neues zu wagen, Entscheidungen im Prozess zu fällen, mit Zweifeln und Zuversicht, mit Freude und Enthusiasmus, mit dem Abwägen von Gefühl und Gedanke erlebe ich mich und die Welt beim künstlerischen Schaffen.
Das künstlerische Arbeiten auf diese Weise ist für mich ein urbildhafter Prozess, der zum Beispiel auch auf der sozialen Ebene zur Geltung kommt. Wann ist ein Gespräch wirklich ein Gespräch und kein Informationsaustausch. Wie ernst nehme ich beim Gespräch mein Gegenüber in seinem Anderssein, welches Einfühlungsvermögen habe ich oder warte im Gegenteil auf die nächste Gelegenheit, ohne Anschluss an das Gesagte, meinen Senf dazuzugeben. Es ist zu beobachten, dass sich heute immer mehr ein sogenanntes „Gespräch“ nur auf der Ebene von Ja oder Nein bewegt, wo jeder bei sich bleibt und statt Bewegung Starre eintritt. Beim Einzelnen kann das meiner Ansicht nach zu einer „seelischen Sklerotis“ führen. Es wäre dies eine Spiegelung des Grundprinzips des Computers von Ja/Nein. Dies führt zu gesellschaftlichen Verhärtungen und zu den anschließenden Folgezuständen.
KI- Künstlerische Intelligenz aber erweitert meinen Standpunkt zu einem mehr ganzheitlichen Standpunkt, welcher andere Standpunkte und Sichtweisen mit einschließt. Würde ich jetzt diese Gedanken weiterverfolgen, dann käme ich unter anderem auch zum „Credo“ von Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“…nun hinzugefügt von mir, „wenn er denn seine Freiheit lebt“.
Alabaster-ein göttlicher Stein.
Schon die Ägypter und die Griechen verwendeten den Alabaster zum Gestalten von Skulpturen und Gefäßen. In vielen romanischen Kirchen ist er besonders im Bereich der Apsis als Fenster verwendet worden, welches dem Licht gerade im Altarbereich eine besondere Qualität verleiht.
In Katalonien wird er noch in der Umgebung von Sarral/Tarragona abgebaut, dort gibt es auch ein interessantes Alabaster-Museum (Museu de l’Alabastre, Avinguda de la Conca 51, 43224 Sarral).
Wenn man als Bildhauer mit dem Alabaster arbeitet, entdeckt man seine versteckten Qualitäten als lichtdurchlässiger Stein und man macht Erfahrungen mit seiner Stärke ebenso wie mit seiner Fragilität und Zerbrechlichkeit. Es gibt ihn in verschiedenen Färbungen und Härtegraden, am meisten verbreitet ist der weißlich schimmernde Alabaster.
Alabaster ist mit seiner durchscheinenden Materialität, wenn man ihm gerecht werden will, nur im Wechselspiel mit dem Licht zu gestalten. Er verschmilzt in seiner Leichtigkeit und Zartheit mit dem umgebenden Raum und löst sich je nach Lichtverhältnissen im Lichtraum auf. Was vorher noch als abgrenzende Kante geschaffen war, ist plötzlich verschwunden, besonders wenn man ihn hoch poliert. Licht und Materie gehen eine Symbiose ein. Das stellt den Bildhauer vor interessante gestalterische Fragen.
Wir selber sind als Menschen mit unserem Leib Teil der materiellen Welt und werden von Licht durchströmt, in sehr feinen Prozessen, wie z.B. im Sehprozess…aber auch im Seelischen sind wir von Licht durchströmt,…man kann sich dunkel, deprimiert fühlen oder lichtvoll begeistert…im Bereich des Denkens habe ich lichte Einfälle, Ideen, Intuitionen. Auch als Künstler leben wir von lichtvollen Momenten der Inspiration, welche uns zum Schaffen anregen. Wir gestalten dann Werke, welchen wir z.B. mit dem Stein Dauer und Anschein des Lebendigen verleihen.
Beim Arbeiten mit dem Alabaster kamen mir viele Gedanken wie obige und ich gestaltete eine Reihe von Werken der Transparenz und Transformation, wie auf der Abbildung zu sehen.
Fortschritt braucht Kreativität!
Das Wort Kreativität kommt vom lateinischen creare und heißt erschaffen, neu hervorbringen.
Es geht also um nichts anderes, als etwas nie Dagewesenes zum Leben zu erwecken – um eine schöpferische Neuschaffung.
Betrachten wir alle Erfindungen dieser Welt, dann stellen wir fest, dass dahinter meist Menschen standen, die über ihr Fachgebiet hinaus weitreichende Interessen hatten. Nehmen wir hier als Beispiel Albert Einstein: Er war ein sehr neugieriger Mensch, blickte immer über den Tellerrand seines Fachgebietes hinaus und verknüpfte seine Gedanken zum Beispiel auch mit philosophischen und künstlerischen Fragen.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben festgestellt, dass Kreativität nicht mit der Höhe der menschlichen Intelligenz korreliert – also: Je höher der IQ, desto kreativer der Mensch? Mitnichten!
Überhöhte Intelligenz ist oft eine Scheuklappen-Intelligenz und hat den Autismus zur Nachbarschaft. Kreative zeichnen sich vielmehr dadurch aus, dass sie Gegensätze wie Fantasie und Realitätssinn, Spieltrieb und Disziplin in sich vereinen. Dadurch unterscheiden sie sich von Tagträumern oder „Spinnern“, die nur in den Wolken leben.
Der Begriff Kreativität lässt sich letztendlich nicht vollständig definieren. Nicht umsonst streiten Fachleute aus Psychologie und Hirnforschung seit Jahrzehnten über die genauen Grenzen des Begriffs. Er ist eher zu umschreiben.
Das ist auch leicht nachvollziehbar, denn Definition bedeutet auch Begrenzung – doch Kreativität lässt sich nicht einsperren.
Man kann jedoch Faktoren benennen, die Kreativität fördern oder hemmen, welche Umgebung sie begünstigt und welche Verhaltensweisen kreative Menschen benötigen.
Entwicklung verläuft in Zyklen von Aufbau und Abbau. Neue Geschäftsideen entstehen und verschwinden wieder – es sei denn, man ist bereit für Neues, kreativ zu sein, Zukunft zuzulassen.
Der bildende Künstler als Beispiel lebt ständig in solchen Schaffensprozessen: Er verwirft Altes mit Mut und Ausdauer, um Neues hervorzubringen. Er kann und will sich nicht auf alten Lorbeeren ausruhen. Verliert er seine Neugier, wird er zum Wiederholer, zum Kopisten – und ist am Ende. Dann geht es ihm vielleicht nur noch um die Geldvermehrung.
Doch ein echter Künstler bleibt Zeit seines Lebens neugierig, mit einem inneren Antrieb und einer Motivation, die unabhängig von äußeren Gegebenheiten besteht.
Mag das Schaffen eines Künstlers ein Urbild des kreativen Menschen sein, so trägt doch jeder Mensch das Potenzial zur Kreativität in sich.
Viele Menschen verbieten sich jedoch, kreativ zu sein. In meinen Seminaren frage ich oft, woher diese inneren Barrieren kommen. Die häufigste Antwort: Irgendein Erwachsener sagte einst als Kind zu ihnen:
„Stell dich nach hinten, du kannst nicht singen!“ oder „So sieht kein Baum aus, schau, so musst du ihn malen!“
Die Erziehung enthält viele solcher Kreativitätskiller. Kinder werden „begradigt“ wie ehemals mäandrierende Flüsse – sie werden „effektiv“ gemacht.
Diese negativen Glaubenssätze tragen viele Menschen ihr ganzes Leben mit sich herum und entfalten deshalb nie ihr kreatives Potenzial.
Wenn man sich jedoch bewusst in die Lage eines 4- bis 5-jährigen Kindes versetzt, das ungehindert spielen und phantasievoll sein darf – ohne dass jemand hinter ihm steht und ruft „Mach dich nicht schmutzig! Benimm dich!“ –, dann kann plötzlich ein Knopf aufgehen.
Der Mensch traut sich, kreativ zu sein – und erkennt sogar, dass er schon oft kreativ handeln musste, um in seinem Leben oder im Beruf Veränderungen herbeizuführen.
Pablo Picasso sagte:
„Jeder Mensch ist ein Künstler (Kreativer). Die Frage ist nur, wie es einer bleiben kann, wenn er aufwächst.“
Joseph Beuys formulierte es ähnlich:
„Jeder Mensch ist ein Künstler.“
Was fördert Kreativität?
- Neugierde
- Vertiefte Wahrnehmung (genaues Hinsehen)
- Mut, Grenzen zu überschreiten
- Spontaneität
- Fehler machen dürfen
- Aktives Problembewusstsein
- Gesundes Selbstwertgefühl
- Für eigene Überzeugungen einstehen
- Durchhaltevermögen
- Ideen in die Tat umsetzen
- Freude am eigenen Tun
- Ein angstfreier Raum
- Flache Hierarchien
- Zeit und Muße
- Interesse an angrenzenden Gebieten
- Identifikation mit dem eigenen Tun
- Spaziergänge in der Natur
Was sind Kreativitätskiller?
- Zeitdruck
- Angst zu versagen
- Alte negative Glaubenssätze
- Bedenkenträger wie Sicherheitsexperten oder Rechtsberater, die neue Ideen im Keim ersticken
- Negative Kritik
- Autoritäre Chefs
- Pyramidale Unternehmensstrukturen
- Zu viel digitale Ablenkung (z. B. Fernsehen, Social Media)
- Keine Zeit haben, aber Zeit vergeuden
- Starre Lösungswegfixierung
- Leistungsdruck
- Konformitätsdruck
- Negative Lebenseinstellung
- Perfektionsdruck
Kreativität lässt sich nicht auf Knopfdruck erzeugen oder abrufen.
Aber man kann einen äußeren und inneren Raum schaffen, in dem Kreativität entstehen kann.
Es gibt viele Kreativitätstechniken, zum Beispiel:
- Brainstorming
- Walt-Disney-Strategie
- Perspektivwechsel-Methode (Edward Bono)
- Methode 365
- Mind Mapping
Doch für das Kreativwerdenwollen ist aus meiner Sicht am wichtigsten: die Bereitschaft, sich zu entwickeln und sich auf Neues einzulassen.
Das erfordert Übung – zum Beispiel:
- Einen anderen Weg zur Arbeit nehmen
- Die eigene Umgebung bewusster wahrnehmen
- Kollegen ohne feste Vorstellungen, sondern mit Neugier begegnen
- Gegenstände aus neuen Perspektiven betrachten: Was kann ich noch damit tun, außer seinem ursprünglichen Zweck?
Es gibt unzählige individuelle Wege, Dinge einmal anders zu tun – und dabei zu beobachten, was dies bei einem selbst auslöst.
Mit etwas Beharrlichkeit wird man die positiven Auswirkungen im gesamten Leben spüren.
Klaus Christ
Bildender Künstler und Kreativitätscoach bei Quest-Team (quest-team.com)